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Die Themen der Zukunft

Klasnic mit märchenhafter Eigenwerbung

Zuvor hatte der gebürtige Hamburger mit einem doppelten Novum EM-
Historie geschrieben: Nur 15 Monate nach seiner Nierentransplantation
bestritt Klasnic eine EURO-Partie - und erzielte prompt in der 52.
Minute das Tor des Tages. "Klasnic ist ein medizinisches Wunder",
schrieb das "Index-Internetportal" über den torgefährlichen Stürmer,
der gestern zu einer routinemäßigen Nieren-Untersuchung nach
Bremen flog.

Dass sein Hollywood-reifer Treffer das Ende von Polens erstem EM-
Abenteuer besiegelte und dem niederländischen Coach Leo Beenhakker in
die Schusslinie der polnischen Boulevardblätter brachte, ging im
Trubel um Klasnic fast unter. Dessen Teamkollegen schwelgten nach dem
wundersamen Comeback des "Man of the Match" jedenfalls in
Superlativen. "Das Leben schreibt die schönsten Geschichten. Es
zeigt, es gibt einen lieben Gott", sagte Kapitän Niko Kovac. "Das war
nicht nur wichtig für ihn, sondern für das ganze Land", bemühte sich
Schalkes überragender Jungstar Ivan Rakitic um patriotisches Pathos.

Klasnic gab zu, dass ihm "sehr viele Steine vom Herzen gefallen"
sind, doch nach seiner "Traumgeschichte" stellte er auch Ansprüche an
die Adresse seines Trainers Slaven Bilic. "Wenn ich schon dabei bin,
möchte ich natürlich auch spielen", sagte der 28-Jährige mit Blick
auf das Viertelfinale gegen die Türkei am Freitag. Denn mit einer
starken EURO will sich Klasnic, der Werder Bremen nach sieben Jahren
im Sommer verlassen wird, zugleich für einen neuen Club empfehlen.
Und im 1. FC Köln und dem Hamburger SV sollen schon die ersten
Bundesliga-Clubs ihre Fühler nach dem ablösefreien Sturm-Wühler
ausgestreckt haben. "Die Vereine werden sich um ihm reißen", glaubt
Niko Kovac an ein baldiges Ende der "psychischen Belastung".

Die Klasnic-Story demonstrierte einmal mehr, was das kroatische
Team bei dieser EM auszeichnet. Obwohl Bilic auf neun Stammkräfte
verzichtete und nur eine B-Elf einsetzte, dominierten die Kroaten
nach Belieben und konnten sich gegen enttäuschende Polen den Luxus
leisten, nur für Klasnic zu spielen. "Heute hat die ganze Mannschaft
für ihn gearbeitet. Jeder im Team wollte, dass Ivan ein Tor schießt",
sagte Sturmpartner Mladen Petric von Borussia Dortmund. Als dann der
"Gänsehaut"-Moment (Josip Simunic) eintraf, gab es kein Halten mehr.

Während die Kroaten dank ihrer makellosen Vorrundenbilanz von drei
Siegen vor Selbstvertrauen strotzen und das beste Turnier seit zehn
Jahren spielen, müssen die Polen bei ihrem EM-Debüt schon nach der
Vorrunde die Koffer packen. "Wir fühlen uns alle schlecht, denn wir
haben bei der EM als ganze Mannschaft nicht gut gespielt", klagte
Torjäger Ebi Smolarek, neben dem Wolfsburger Jacek Krzynowek eine der
großen polnischen Turnier-Enttäuschungen.

Nationalcoach Beenhakker will - mit der Jobgarantie von
Verbandschef Michal Listkiewicz in der Tasche - seinen Vertrag
mindestens bis zum Ende der WM-Qualifikation 2010 erfüllen. Der
Kritik in den heimischen Boulevardblättern sieht der niederländische
Trainer-Fuchs gelassen entgegen: "Ich bin darauf vorbereitet, weil
das nicht nur eine polnische Hölle ist, sondern Teil unseres Berufs."
(ATN/ Benjamin Haller-dpa, 18.06.2008) 


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