Die Themen der Zukunft
Fußball-Fans managen per Mausklick
"Ich habe schon mit dem einen oder anderen darüber diskutiert,
dass es mal einen Verein geben könnte, der nur über das Internet von
den Fans geführt wird.
Das ist sicherlich eine hoch interessante
Sache, auch wenn alle Fußball-Konservativen aus dem Fenster springen, wenn sie sich mit dieser Möglichkeit beschäftigen", sagte Bundesliga- Oldie
Oliver Kahn zu der Spielerei. "Ich hab das auch mal durchdacht, wenn die Zuschauer die Mannschaft aufstellen, wenn die Zuschauer über den Trainer entscheiden können. Das ist revolutionär und hoch
interessant, aber ob das wirklich praxisfähig wäre, weiß ich nicht."
Der Praxistauglichkeit muss erst noch erbracht werden, aber
Potenzial birgt die gelebte Fußball-Demokratie allemal in sich. "Es
geht uns um die Meinung der Fans. Wir wollen den Fußball zur Basis
zurückbringen", erklärte Will Brooks, der im Februar 2005 die Idee
zum englischen Unterfangen hatte. Wobei die erreichte Basis sehr jung
ist:
Das Durchschnittsalter der Mausklick-Manager bei
www.myfootballclub.co.uk soll bei 27 Jahren liegen. Durch den
jährlichen Mitgliedsbeitrag (knapp 44 Euro) spülten 28.000
Internetnutzer aus über 70 Ländern schätzungsweise eine Million Euro
in die Kasse des Clubs, ein Teil ging auch für die Verwaltung im
Internet drauf.
Bislang wurde dort laut "Spiegel" nur über den Ausrüster oder die
Gestaltung von Shirts und Hosen abgestimmt. Künftig soll via Internet
auch die Mannschaft aufgestellt werden. Trainer Liam Daish wird sein
Team dann vorschlagen, die User stimmen ab. Sorge hat der Coach
nicht. "Letztlich ist doch die Gefahr größer, dass ich mich mit einem
einzelnen überwerfe als mit 30.000 Leuten", sagt Diash, der auf
seiner Position absolutes Bestimmungsrecht behält. Trainer und
Spieler sind zwar Vollprofis, verdienen aber im Schnitt gerade mal
2000 Euro im Monat.
Etwas weniger basisdemokratisch als im Mutterland des Fußballs
soll es bei Fortuna Köln zugehen, wo Sommermärchen-Regisseur Sönke Wortmann der Schirmherr des Projekts ist. Für 39,95 Euro pro Jahr können die Internet-Surfer beim als "Wunder von Köln" gepriesenen
Modell mitmachen. Über die Aufstellung sollen sie nicht bestimmen
können, wohl aber Ratschläge dazu geben. Per Abstimmungen über
www.deinfussballclub.de soll zudem direkter Einfluss auf die
Aktivitäten des Clubs genommen werden.
Über das Internet-Portal wollen Wortmann & Co. mindestens 30.000
Fußball-Fans finden, damit das Projekt richtig beginnen kann. Als
Stichtag hat man sich den 31. März 2009 gesetzt. Sollte die Schwelle
erreicht werden, hätte die Fortuna nach drei überstandenen
Insolvenzen dann ebenfalls rund eine Million Euro in der Kasse. Dann
dürfte der Traditionsclub mit seinen Online-Organisatoren wieder auf
eine besseren Zukunft und sogar auf Derbys gegen den großen Bruder 1.
FC Köln hoffen.
(ATN/Christian Kunz-dpa, 09.04.2008)