Die Themen der Zukunft
Neuer Fusionsschub in der Rohstoffbranche
Anfang November hatte
BHP Billiton den spektakulären Vorstoß
gewagt und sein Interesse am Konkurrenten Rio Tinto angemeldet. "Es
handelt sich hier um eine neue Größenordnung", sagt Rohstoffanalyst
Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). In
der Historie der Übernahmen in der Branche wäre dies der bislang
"größte Wurf". Der erste noch unverbindliche Preis - BHP will drei
eigene Aktien für ein Rio-Tinto-Papier bieten - liegt bereits in
dreistelliger Milliarden-Dollar-Höhe. Und auch die geplanten
Einsparungen können sich sehen lassen: BHP veranschlagt nach einer
Anlaufzeit von einigen Jahren Synergien von 3,7 Milliarden Dollar
pro Jahr.
"
Die Synergien, die auf Anhieb zu erkennen sind, sind so
ordentlich - das dürfte auch die Konkurrenz auf den Plan bringen",
vermutet Schallenberger. Die Rohstoffkonzerne müssen handeln, da die
Förderkosten in den letzten Jahren - etwa durch die hohen Energie-
und Stahlpreise - stark gestiegen sind. Sollte die Fusion zwischen
BHP und Rio Tinto stattfinden, erhöht sich der Druck auf die
Konkurrenz, ihre Kosten herunterzuschrauben, um wettbewerbsfähig zu
bleiben. Experten sehen durch die bevorstehende Elefantenhochzeit
eine ähnliche Initialzündung, wie sie die Stahlindustrie durch das
Zusammengehen von Arcelor und Mittal erlebt hat. "Wenn diese
Transaktion zwischen BHP und Rio Tinto klappt, werden wir in
absehbarer Zeit weitere Zusammenschlüsse sehen", sagt
Schallenberger.
"Es kommt Bewegung in die Minenbranche", sagt auch Klaus Breil,
Rohstoffexperte bei der cominvest. Und zwar nicht nur aus
Kostengründen: Die Kartellbehörden werden seiner Ansicht nach
verlangen, dass sich BHP und Rio Tinto für den Fall eines
Zusammenschlusses von einigen Aktivitäten trennen. "Das weckt
Begehrlichkeiten bei Interessenten. Da folgt noch einiges, was jetzt
noch gar nicht abzusehen ist." Gespräche sind schon im Gange -
der
Minenkonzern Xstrata hat bestätigt, mit Wettbewerbern über eine
mögliche Konsolidierung zu reden. Als Interessenten werden der
brasilianische Eisenerz-Marktführer
Vale und der britisch-
südafrikanische Minenkonzern
Anglo-American gehandelt. Dazu
wollte sich Xstrata nicht äußern.
Dass die Fusion von BHP Billiton und Rio Tinto zustande kommt,
ist in den Augen von Breil höchst wahrscheinlich. "Allerdings nicht
zu den jetzigen Konditionen." In der Branche gilt es als sicher,
dass BHP sein Angebot erhöht. Bislang lehnt Rio Tinto die Offerte ab
- sie haben bei der britischen Regulierungsbehörde aber eine Frist
beantragt, bis zu der BHP ein offizielles Angebot vorlegen soll.
"Wenn es klappt, wird uns der Prozess wahrscheinlich noch das ganze
Jahr 2008 über begleiten", sagt LBBW-Experte Schallenberger.
Auch die
Kunden der Rohstoffkonzerne dürften diesen Prozess ganz
genau beobachten. Sie sehen sich mit
explodierenden Rohstoffkosten
konfrontiert und fürchten, dass BHP und Rio Tinto vereint die Preise
diktieren könnten. Auch China als einer der Hauptkunden ist darüber
besorgt: Jüngst warnte sogar Regierungssprecher Qin Gang vor dem
Zusammenschluss. In der Presse wird bereits über ein Gegenangebot
der Chinesen spekuliert. Auch cominvest-Experte Breil geht davon
aus, dass künftig
chinesische Investoren vermehrt
Einstiegsgelegenheiten in der
Rohstoffbranche suchen werden. "China
fängt gerade erst an, eine Rolle zu spielen."
(ATN/Kathrin Schulte-Bunert-dpa, 13.12.2007)