Die Themen der Zukunft
Übernahmewelle bei Regionalversorgern
Der Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) rät
seinen Mitgliedern, ihren Vertrieb stärker auf die Kunden
auszurichten. Wie auch im Telekommarkt gebe es preissensible Kunden,
die über das Internet den billigsten Tarif wählten, sagt
Verbandspräsident Werner Brinker. Dazu gebe es Kunden, die weniger
auf den Preis, sondern stärker auf Service achteten.
Nach Einschätzung von Accenture-Experte Werthschulte wird sich die
Konsolidierung damit nicht stoppen lassen. "Bei den Strom- und
Gasnetzbetreibern wird nicht einmal jeder zweite die härter werdenden
Rahmenbedingungen überleben."
Mögliche Käufer stehen bereit, wie sich
an der Versteigerung eines 49-prozentigen Anteils der Stadtwerke
Leipzig zeigte. Neben deutschen Unternehmen beteiligten sich an dem
Bieterprozess ausländische Konzerne wie Gazprom oder Centrica. Den
Zuschlag erhielt die Gaz de France für 520 Millionen Euro; wegen
Bürgerprotesten ist der Verkauf aber noch nicht in trockenen Tüchern.
Auch der Vorstandschef der MVV Energie AG (Mannheim), Rudolf
Schulten, verweist auf die Entwicklung in Italien und den
Niederlanden, wo mit der Regulierung die Konsolidierung eingeläutet
wurde. "Das Stadtwerke-Sterben wird nun kommen."
Die von der Bundesnetzagentur verordneten Preisabschläge von 20
Prozent - in Summe sind dies jährlich 2,8 Milliarden Euro - drücken
vor allem bei den kommunalen Versorgern auf die Marge. Und eine
zweite Preisrunde ist gerade angelaufen. Die kleinen Versorger trifft
das besonders, weil sie oft mit ihren Gewinnen städtische
Schwimmbäder und den Nahverkehr mitfinanzieren müssen.
Belastend kommt hinzu, dass mit der Regulierung Konkurrenten der
Zugang zu den Netzen erleichtert wird. "Der Wettbewerb auf dem Strom-
und Gasmarkt nimmt spürbar zu", sagt Netzagentur-Chef Matthias Kurth.
Das lokale Netz-Monopol mit exklusiven Zugriff auf die Kundschaft
gerät damit ins Wanken. RWE und E.ON haben dies erkannt und neue
Vertriebsgesellschaften gegründet, um den lokalen Anbietern Strom-
und Gaskunden abzujagen. Eine Million Haushalte wechselten im
vergangenen Jahr ihren Versorger.
(ATN/Martin Murphy-dpa, 10.02.2008)