Die Themen der Zukunft
Warnung vor weiter teuren Nahrungsmitteln
Derzeit seien die
Preise nahezu aller Grundnahrungsmittel auf
einem
Rekordhoch, heißt es in dem Agrarausblick. Die Studie wurde
neben der OECD von der UN-Organisation für Ernährung und
Landwirtschaft (FAO) veröffentlicht. Vor allem Dürren in den
wichtigsten Anbauregionen, sowie leere Lagerbestände hätten zu dem
"drastischen" Preisanstieg geführt. Ein weiterer Faktor, der auch
längerfristig eine Rolle spiele, ist nach Einschätzung von OECD-
Agrardirektor Stefan Tangermann der hohe Ölpreis, denn die Produktion
von Nahrungsmitteln sei ein energieaufwändiges Geschäft.
Viele Grundnahrungsmittel wie Reis oder Mais haben besonders seit
Anfang des Jahres Preissprünge verzeichnet und in einigen Ländern wie
Haiti oder Mexiko zu Hungerrevolten geführt. Am stärksten betroffen
seien die Stadtbewohner in Entwicklungsländern, die sich nicht selbst
ernähren könnten, erklärten die Agrar- und Wirtschaftsexperten.
"Heute leiden rund 860 Millionen Menschen an Hunger und
Mangelernährung - das zeigt, wie wichtig es ist, wieder stärker in
Landwirtschaft zu investieren", sagte FAO-Generalsekretär Jacques
Diouf. "Landwirtschaft muss wieder auf die Entwicklungs-Agenda
gesetzt werden."
Auf lange Sicht werden der Studie zufolge Effizienzgewinne und
Produktivitätssteigerungen in der Agrarwirtschaft die wachsende
Nachfrage ausgleichen, so dass die Preise real wieder sinken werden.
Ihr früheres niedriges Niveau würden sie jedoch nicht wieder
erreichen, hieß es. In den kommenden zehn Jahren werden die realen,
also um die Inflation bereinigten Preise für Reis und Zucker um knapp
zehn Prozent, für Weizen um knapp 20 Prozent, für Butter, Ölsaaten
und Grobgetreide um etwa 30 Prozent und für Pflanzenöl um gut 50
Prozent über den Durchschnittswerten des vergangenen Jahrzehnts
liegen. FAO und OECD legten zum vierten Mal eine gemeinsame derartige
Prognose vor.
OECD-Generalsekretär Angel Gurría forderte eine Liberalisierung
des Handels. "Steigenden Lebensmittelpreisen kann man nicht durch
Protektionismus beikommen", sagte er. "Der richtige Weg ist eine
Öffnung der Agrarmärkte und Freisetzung der produktiven Kapazitäten
der Landwirte, die wiederholt bewiesen haben, dass sie auf
Marktsignale reagieren."
Nach Einschätzung der Experten müssen EU und USA zudem ihre
Förderpolitik für Biokraftstoffe ändern. So habe sich die weltweite
Ethanolproduktion zwischen 2000 und 2007 verdreifacht, hieß es. Bis
2017 werde sie sich erneut auf jährlich 127 Billionen Liter
verdoppeln. Die Biodieselproduktion dürfte von 11 Billionen Litern
jährlich im Jahr 2007 auf ungefähr 24 Billionen Liter im Jahr 2017
ansteigen. "Dieses Wachstum bei Biokraftstoffen wird die Nachfrage
nach Getreide, Ölsaat und Zucker noch weiter erhöhen und trägt so zu
weiteren Preissteigerungen bei Agrarprodukten bei", hieß es. Es sei
"unklar, ob die Energiesicherheit sowie die ökologischen und
wirtschaftlichen Ziele dieser Maßnahmen mit den gegenwärtigen
Produktionstechnologien erreicht werden können".
(ATN/dpa, 31.05.2008)