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Die Themen der Zukunft

Grundnahrungsmittel: Streit um Rolle der Spekulanten

In die speziellen Agrar-Finanzmärkte floss zuletzt immer mehr
Geld.
Großinvestoren weltweit suchen wegen der Kreditkrise und der
Turbulenzen an den Aktienmärkten nach Anlagemöglichkeiten für ihre
Milliarden. Je höher die Preise kletterten, desto mehr Kapital wurde
angelockt - und ließ die Kurse vor allem seit Ende 2006 immer weiter
nach oben schießen.

Historisch sollten Termingeschäfte ("Futures") für Agrarprodukte
den Bauern finanziell helfen.
Über die Börse konnten sie ihr Getreide
schon vor der Ernte auf dem Papier verkaufen und Geld für nötige
Investitionen bekommen. Daraus entstand ein gigantischer Finanzmarkt
mit eigenen Börsen wie zum Beispiel der amerikanischen Marktführerin
CME/CBOT in Chicago.

Noch schneller als ohnehin dreht sich die Preisspirale durch eine
Eigenheit beim Finanzhandel mit Grundnahrungsmitteln und Rohstoffen
("commodities"): Die Geschäfte müssen mit weit weniger Eigenkapital
hinterlegt werden als etwa auf dem Aktienmarkt. Mit relativ wenig
Einsatz und hohem Kreditanteil kann auf viel Gewinn gewettet werden. Das lockt Spekulanten in Scharen. Ganz groß dabei: Hedge-Fonds.


Auf dem einst für Experten reservierten Markt tummeln sich längst
auch Privatanleger. Über Online-Handelsplattformen sind Anlagen in
Weizen, Mais & Co. so einfach wie nie zuvor.
Die Spekulationslust
heizen dort zusätzlich Investmentgurus wie Jim Rogers mit heißen
Tipps zum nächsten Trend an: "Jeder von Ihnen sollte soviel Zucker
kaufen, wie er kann. Der Preis für Zucker wird explodieren." Die
Risiken aber sind je nach Geschäft enorm - bis zum Totalverlust.

Wer Ende 2006 über Termingeschäfte in Weizen investierte, konnte
sein Geld verdoppeln.
Ein Scheffel Weizen erreichte an der CBOT
zeitweise den Rekordpreis von rund 13 Dollar. Bei Mais oder Soja
läuft der Trend jetzt ganz ähnlich. Das renommierte US-Anlegermagazin
"Barron's" widmete dem neuen Börsenboom erst kürzlich seine
Titelgeschichte - und sprach von einer enormen Spekulationsblase.

Der Weltbank zufolge stiegen Lebensmittelpreise in den vergangenen drei Jahren im Schnitt um mehr als 80 Prozent. Doch auch wenn
Spekulanten ihren Anteil daran haben, sind grundsätzliche Faktoren
vielen Experten zufolge gewichtiger: Das rasante Bevölkerungswachstum
schafft mehr Bedarf. Durch mehr Wohlstand etwa in Schwellenländern
Asiens steigt zudem die Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln
und Viehfutter. Und wegen des Biokraftstoff-Booms landen immer mehr
Agrarprodukte im Tank statt auf dem Teller.

Bei Reis tragen die Finanzmärkte zu den hohen Preisen ohnehin kaum bei, da er weit weniger an den Terminbörsen gehandelt wird. Die
meisten großen Reisproduzenten wie China, Indien und Ägypten erließen
bereits Exportbeschränkungen. Das hilft der eigenen Bevölkerung,
verschärft aber die Lage für viele arme Importländer wie Bangladesch
oder die Staaten Afrikas. Das International Food Policy Research
Institute in Washington errechnete: Je Prozentpunkt höherer
Lebensmittelpreise sind weitere 16 Millionen Menschen von Hunger
bedroht.

Echte Entwarnung ist so schnell nicht in Sicht: Zwar hat sich der
Preis für Weizen wieder von seinen Börsenrekorden entfernt.
Und
Analysten rechnen mittelfristig für die nächsten Jahren mit etwas
fallenden Preisen bei einigen Grundnahrungsmitteln. Aber auf ihr
früheres Niveau dürften sie demnach nicht zurückkehren. So empfahl
die Investmentbank Goldman Sachs ihren Kunden denn auch gerade erst Sojabohnen und Mais zur Profitsteigerung:
In den nächsten Monaten lockten hier gute Gewinne.
(ATN/Roland Freund-dpa, 15.04.2008)


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