Anzeige

Die Themen der Zukunft

Lateinamerika - Kontinent der Extreme

"Brasilien ist der größte Eisenlieferant weltweit und gehört auch bei den weichen Rohstoffen wie Soja, Baumwolle, Kaffee oder Zucker zu den führenden Produzenten", sagt Roberto Lampl, Fondsmanager des ING Invest Latin America Fonds. Zudem wird das Wachstum mittlerweile stark vom heimischen Konsum angetrieben. "Der Export macht nur 12 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts aus, das ist eine der niedrigsten Raten in den Schwellenländern", so Lampl.

Fußball ist wichtiger als alles andere

Die volkswirtschaftliche Perspektive des Landes hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert: Die Zahl der regulären Arbeitsverhältnisse nimmt zu und die Reallöhne steigen seit 2003 jährlich um etwa fünf Prozent. Das führt dazu, dass sich immer mehr Brasilianer ein Bankkonto zulegen. "Bislang hat nur jeder Dritte ein Konto, und weniger als fünf Prozent der Bevölkerung haben eine Hypothek", sagt Lampl - rosige Aussichten also für die Finanzbranche in einem Land, in dem die Fußball-Nationalmannschaft über alles geht und auch schon mal über das Ziel hinaus geschossen wird: Als die Seleçao beim olympischen Turnier nur den dritten Platz erreichte, wurde sie bei der Ankunft zuhause von der Presse mit einer Todesanzeige begrüßt.

Weitaus exportabhängiger, noch dazu von einem einzigen Staat, ist Mexiko. Beinahe 80 Prozent der Exporte des größten mittelamerikanischen Landes gehen in die USA. Wozu das führen kann, zeigt die "Tortillakrise", die entstand, weil die mexikanischen Maisbauern immer größere Teile ihrer Ernte an die USA verkauften, die daraus Biosprit herstellen. Aufgrund des stark gestiegenen Maispreises können sich jetzt viele Mexikaner ihr Grundnahrungsmittel Nummer eins, Mais, aus dem sie Tortillas herstellen, nicht mehr leisten.

Mexikaner bestreiten nahezu 50 Prozent ihrer gesamten Kalorienmenge über die auch "Vitamin-T" genannte Tortilla. 20 Millionen Mexikaner gelten als extrem arm und leben von etwa 1,50 Euro am Tag. Während man dafür im vergangenen Jahr noch gut drei Kilo Tortillas kaufen konnte, erhält man für den gleichen Betrag derzeit nur noch die Hälfte. Dennoch wächst Mexikos Wirtschaft seit vielen Jahren mit etwa drei Prozent.

Chile ist ein Vorbild für Liberalisierer

Der weltgrößte Kupferproduzent Chile überzeugt Investoren vor allem durch wirtschaftliche und politische Stabilität. War das Land vor 20 Jahren noch eines der Armenhäuser Lateinamerikas, gehören die Chilenen heute zu den reichsten Nationen, was sie einer umfangreichen Zurückdrängung des Staates verdanken. Zwar sind die Einkommen ungleich verteilt, aber während früher die Hälfte der Einwohner in extremer Armut lebte, ist es heute weniger als ein Viertel. Chile ist damit der Musterfall für Liberalisierer.

Auch Peru steht zumindest nach außen hin gut da. Dem Land wurde jüngst das begehrte Siegel Investment-Grade von der Ratinggesellschaft S&P verliehen. Die Handelsbilanz ist positiv, die offizielle Arbeitslosenrate liegt bei sieben Prozent. Doch das ist nur die eine Wahrheit: Im Land des zweitgrößten Kokain-Produzenten lebt die Hälfte in Armut, fast jeder zweite von weniger als einem Dollar am Tag. Die tatsächliche Arbeitslosenrate dürfte bei über 20 Prozent liegen. Um weiteres Unheil von sich abzuwenden greift man im Andenstaat auch schon mal zu ungewohnten Mitteln: Als sich ein peruanisches Dorf nach der Gattin von Ex-Präsident Alberto Fujimori benannte, versprach es sich Glück und Reichtum. Jetzt will es allerdings nicht mehr Satomi Kataoka heißen ? denn um die Ehe ist es angeblich nicht gut bestellt.

Ohne Zweifel gut sind allerdings die Aussichten für langfristig orientierte Investoren in Lateinamerika, was der dauerhafte Erfolg des ING (L) Invest Latin America belegt.

Lateinamerika profitiert weiterhin
vom weltweiten Energie- und Rohstoffhunger

Fondsmanager Roberto Lampl sucht unabhängig von Investmentstilen nach den aussichtsreichsten Titeln: "Ich lasse mich dabei nicht durch einen Growth- oder Valuestil einschränken", erklärt der gebürtige Peruaner. "Für mich ist ausschließlich die Qualität eines Unternehmens wichtig, sonst nichts." Der überzeugte Stockpicker bleibt den einmal ausgewählten Unternehmen nach Möglichkeit lange treu.

Nur etwa 40 Prozent seiner Depotpositionen tauscht er durchschnittlich im Jahr aus, ein sehr niedriger Wert für einen Fonds, der in den als schnelllebig geltenden Emerging Markets anlegt. "Im Schnitt bleibt jeder Wert etwa 30 Monate im Fonds", so Lampl. Im August favorisierte Lampl und sein Team Peru, Brasilien und Chile, Länder, die er im Portfolio übergewichtete, auf Sektorenebene gab er Utilities und Mining-Titel den Vorzug. Im August wurde aus diesem Grund ein chilenisches Kupferunternehmen neu ins Portfolio aufgenommen, da Lampl damit rechnet, dass das zunehmende Investitionswachstum in China den Kupfer-Preis in den kommenden Quartalen in die Höhe treiben wird.

Wie die meisten anderen Lateinamerika-Manager favorisiert auch Lampl Unternehmen aus Brasilien, die im Vergleichsindex MSCI Latin America den größten Anteil ausmachen. Sowohl im Index als auch in Lampls Fonds sind brasilianische Titel derzeit mit mehr als 62 Prozent gewichtet. "Wir sind besonders auf längere Sicht sehr optimistisch für das Land gestimmt", sagt der Manager. "Vom kranken Mann der späten neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ist längst nichts mehr zu sehen. Brasilien verfügt mittlerweile über Devisenreserven von 200 Milliarden US-Dollar." Zweitgrößte Länderposition im Fonds ist Mexiko mit 23 Prozent. Und ebenso wie Lula da Silva stellt Lampl auch dem mexikanischen Präsidenten Calderón ein gutes Zeugnis aus. "

"Er hat das Land in eine wirklich gute Position für die kommenden Jahre gebracht. Aber wie andere Länder auch kämpft Mexiko derzeit an zwei Fronten: den Gefahren einer Konjunkturabkühlung und gleichwohl steigender Inflation." Mit mutigen Zinsschritten nach oben hat die mexikanische Nationalbank bisher auf Geldwertstabilität gesetzt - gegen klar formulierten Widerstand aus der Politik. Den mexikanischen Peso allerdings hat diese Politik zu ungeahnter Stärke geführt: Gegenüber dem Dollar hat der Peso im laufenden Jahr schon um fast zehn Prozent aufgewertet.

Zu unrealistischen Träumen neigt Lampl allerdings nicht. "Südamerika ist nicht losgelöst von den Entwicklungen im Rest der Welt. So lange die Subprime-Krise in den USA nicht endgültig gelöst ist, bleiben wir vorsichtig." Schwarzmalerei lehnt er allerdings entschieden ab. "Wenn ich mir vor Augen halte, welche wirtschaftliche Bedeutung Lateinamerika in der Vergangenheit hatte, mir sein Wachstumspotenzial und seine makro-ökonomische Situation ansehe, und feststelle, wie wenige Anleger in dieser Region investiert sind, dann muss ich einfach optimistisch bleiben", so Lampl.

Denn bislang spielen lateinamerikanische Unternehmen in der globalen Investmentwelt noch immer eine geringe Rolle. Viele der dort ansässigen Unternehmen haben in ihren Branchen durchaus eine weltmarktführende Stellung, wie etwa der weltgrößte Eisenerzproduzent Cia Vale Do Rio mit 4,68 Prozent Nummer 4, der Ölförderer Petrobras mit 4,80 Prozent Nummer 3 und die Telefongesellschaft America Moviles mit 4,23 Prozent Nummer 7 unter den Top Ten Holdings des Fonds. Die größte Position nimmt der börsennotierte und größte südamerikanische Stahlkonzern aus Brasilien, die Companhia Siderúrgica Nacional im Portfolio ein (alle Daten per 31.08. 2008).

Zusätzliches Potenzial erwartet der Manager von der günstigen Bevölkerungsstruktur auf dem Kontinent. Große Teile der Bevölkerung sind jünger als 40 Jahre, die Alterspyramide ähnelt der der entwickelten Staaten vor einigen Jahrzehnten. In der Konsequenz ist das Angebot an Arbeitskräften und damit auch das langfristige Wachstumspotenzial in Südamerika groß. Für langfristig orientierte Anleger sei die Region deshalb erste Wahl.
(ATN/ING Investment Management, 17.09.2008)


Nächster Artikel aus Energie KfW finanziert zwei Photovoltaik-Anlagen in Spanien

Vorheriger Artikel aus Aktuell Rentenmarkt: Gegenbewegung bei Staatsanleihen