Die Themen der Zukunft
China dämpft Abschwung der Metallnachfrage
Die Metallpreise atmen seit jeher stark im Konjunkturzyklus, was nicht zuletzt die jüngsten Entwicklungen belegen. Ausschlaggebend sind die verglichen mit der Nachfrage langsameren Reaktionen auf der Angebotsseite. Auch in diesem Abschwung sind es die Nachfragesorgen, die die Preise kräftig unter Druck setzten. Wie stark wird aber der Rückgang der Nachfrage tatsächlich ausfallen?
Um das Ausmaß des Abschwungs abschätzen zu können, haben wir uns den Zusammenhang zwischen den Schwankungen der gesamtwirtchaftlichen Leistung (auf Basis des globalen Bruttoinlandsprodukts) und der Veränderung der Metallnachfrage angeschaut. Unsere einfachen Regressionen für den Zeitraum 1970 bis 2008 zeigt eine Elastizität der Metallnachfrage bei über 2. Damit zählt Metallnachfrage eindeutig zu den zyklischen Nachfragekomponenten. Darüber hinaus zeigt sich eine im langfristigen Trend fallende Metallintensität. Das heißt für die Produktion einer Einheit des weltweiten Bruttoinlandsprodukts werden immer weniger Metalle benötigt. Der strukturelle Rückgang ist auf die fortgeschrittene Industrialisierung und die starke Ausweitung des Dienstleistungssektors zurückzuführen.
Ein Blick auf die Reagibiltät der Industriemetalle im einzelnen zeigt eine unterschiedliche Konjunktursensivität: Als stärker zyklisch erweisen sich die Metalle Kupfer und Nickel, wobei die Elastizität der Nachfrage hier bei fast 3 liegt. Am anderen Ende der Skala stehen Zink und Blei, bei denen die Nachfrageelastizität nur gut 2 beträgt.
Würde man seine Prognosen ausschließlich auf diesen Zusammenhang basieren, so würde die Nachfrage nach sämtlichen Metallen im laufenden Jahr wegbrechen. Aber neben der zyklischen Komponente ist seit Anfang des Jahrtausends der durch China ausgelöste Strukturbruch zu beachten. Seit dem Jahr 2000 ist die weltweite Metallnachfrage verglichen mit der Weltwirtschaft überproportional stark gestiegen. Der langjährige Trend einer fallenden Metallintensität hat sich somit nicht nur nicht fortgesetzt, sondern sogar umgekehrt.
Angesichts der immens gestiegenen Bedeutung Chinas sind die Ergebnisse der Vergangenheit nicht eins zu eins auf die Gegenwart zu übertragen, denn statt einer strukturell fallenden Metallnachfrage ist z.Zt. ein Zuschlag für China anzusetzen. Dies gilt um so mehr, da China zuletzt erneut bestätigt hat, ein Wachstum von 8% anzustreben. Vor diesem Hintergrund dürfte der Rückgang der Metallnachfrage durchschnittlich eher bei 2% liegen als bei mehr als 4%. Das Prognoserisiko liegt dabei einmal mehr in den Entwicklungen Chinas. Sollte der Aufholprozess nachhaltig ins Stocken geraten, steigt die Gefahr eines Einbruchs der Metallnachfrage umso stärker.
Aluminium
Der fortgesetzte Anstieg der LME-Lagerbestände auf einen Rekordwert von knapp 3,3 Mio. Tonnen hat den Aluminiumpreis auf ein 7-Jahrestief von 1.280 USD je Tonne gedrückt. Unseres Erachtens überzeichnet die Entwicklung der LME-Lagerbestände jedoch das aktuelle Bild. Die Verfünffachung der gekündigten Lagerscheine seit Mitte Februar auf den höchsten Stand seit Oktober 2006 deutet immerhin darauf hin, dass mittlerweile auch verstärkt Aluminium die LME-Lagerhäuser verlässt, so dass sich der Anstieg der Lagerbestände zuletzt etwas abgeflacht hat. Die Aluminiumproduzenten haben ihrerseits auf die Verlangsamung der Nachfrage bzw. den Preiseinbruch um 60% seit Mitte 2008 reagiert. Das staatliche chinesische Reservebüro kauft zudem zur Unterstützung der heimischen Aluminiumindustrie weiter Aluminium auf. Im März sollen auf diese Weise weitere 300 Tsd. Tonnen vom heimischen Markt genommen werden. Dies dürfte zumindest helfen, den Aluminiumpreis zu stabilisieren, so dass wir zunächst ein Preisniveau von 1.300 ? 1.400 USD je Tonne erwarten. Kurzfristig bleibt die Entwicklung der Lagerbestände ein Belastungsfaktor für den Aluminiumpreis. Im zweiten Halbjahr rechnen wir dann bei einer steigenden Nachfrage und höheren Ölpreisen mit einer Preiserholung auf 1.750 USD bis zum Jahresende.
Kupfer
Der Kupferpreis konnte seit Mitte Februar um 20% auf knapp 3.800 USD je Tonne steigen, den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten. Derzeit wird der Preis von Spekulationen hinsichtlich staatlicher chinesischer Kupferkäufe gestützt. Geschürt wurden diese durch den jüngsten Rückgang der LME-Lagerbestände um knapp 50 Tsd. Tonnen in den vergangenen zwei Wochen. China hat im Februar 329.311 Tonnen Kupfer importiert, das sind 42% mehr als im Vormonat und ein neuer Rekordwert. Neben diesen Sonderfaktoren profitiert Kupfer auch von der Hoffnung, dass die Kupfernachfrage im Jahresverlauf wieder anspringt. Nichtsdestotrotz erachten wir die durch die Nachrichten aus China bedingte jüngste Preiserholung als verfrüht und erwarten im zweiten Quartal nochmals einen Rücksetzer auf 3200-3400 USD je Tonne. Im zweiten Halbjahr dürfte sich die Nachfrage dank der Konjunkturmaßnahmen stabilisieren. Wir rechnen daher mit einem Anstieg auf 4.400 USD bis zum Jahresende.
Blei
Der Bleipreis ist zuletzt auf 1.300 USD je Tonne gestiegen, den höchsten Stand seit fast vier Monaten. Dahinter stehen mehrere Faktoren. So liegen die LME-Lagerbestände trotz des jüngsten Anstiegs auf 60 Tsd. Tonnen noch immer auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Blei profitiert dabei von der während der Wintermonate starken Nachfrage nach Ersatzbatterien, welche viermal so hoch ist wie die nach Batterien für Neuwagen. Entsprechend ist Blei auch weniger anfällig gegenüber der schwachen Autokonjunktur wie man angesichts der 80%igen Verwendung von Blei für Autobatterien ansonsten vermuten würde. Zusätzlich unterstützend für die Bleinachfrage ist der vor allem in China zu beobachtende Trend hin zu elektrisch betriebenen Fahrrädern (?E-bikes?). Auch von der Angebotsseite dürfte der Bleipreis Unterstützung erhalten. Die globale Minenproduktion war im November den dritten Monat in Folge rückläufig. Der Marktüberschuss bei Blei liegt dadurch deutlich niedriger als bei den meisten anderen an der LME gehandelten Metallen. Ein Risiko stellt die Wiederaufnahme der Produktion in der Magellan Mine in Australien dar. Der Minenbetreiber Ivernia will Ende des 2. Quartals die Bleiexporte wieder aufnehmen, was zu einem zusätzlichen Angebot führen dürfte. Wir erachten daher das weitere Anstiegspotenzial bei Blei als begrenzt. Außerdem dürfte bereits viel an
positiven Nachrichten im derzeitigen Preisniveau enthalten sein. Nach einer vorübergehenden Abschwächung auf 1.150 USD je Tonne zur Jahresmitte erwarten wir nur noch einen moderaten Anstieg des Bleipreises auf 1.350 USD zum Jahresende.
(ATN/Commerzbank Corporates Markets-Unternehmensinformationen, 11.03.2009)