Die Themen der Zukunft
Ausländische Direktinvestitionen in Ghana
Zahlreiche Entwicklungs- und Schwellenländer, insbesondere im asiatischen Raum, profitierten von ADI durch die Bereitstellung zusätzlichen Kapitals, technologischen Spillovers und einem zunehmenden Wettbewerb auf heimischen Märkten. Dem gegenüber steht die Performance vieler anderer Entwicklungsländer, vor allem in Afrika südlich der Sahara, die nicht nur relativ wenig ADI in der Vergangenheit erhalten haben.
Es ist ihnen bisher auch nicht gelungen, im nennenswerten Umfang vom bisherigen ausländischen Kapital zu profitieren. Vor diesem Hintergrund hat das HWWI zusammen mit einem ghanaischen Forschungsinstitut ISSER im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit die entwicklungsfördernden Wirkungen von ADI in Ghana untersucht. Ghana wurde ausgewählt, weil es eine relativ gute Performance bei wirtschaftlichen und politischen Reformen in der Vergangenheit hat und eine der Grundvoraussetzungen für ADI aufweist: politische Stabilität.
Während in den 1980er Jahren ausländische Investoren durchschnittlich 20-30 Millionen Euro pro Jahr in Ghana investierten, stiegen die ADI auf rund 100-150 Millionen Euro pro Jahr im Zeitraum seit 1990. Dies sind aber lediglich 0,05-0,1 Prozent der gesamten ADI in alle Entwicklungsländer. Damit stellen sich zwei Fragen: Wie kann Ghana seine Position im internationalen Wettbewerb um Direktinvestitionen verbessern und wie kann es die möglichen positiven Effekte von ADI verstärken? In der Studie wurden verfügbare Statistiken ausgewertet und zusätzlich 54 multinationale Unternehmen befragt, die in Ghana tätig sind.
Die Ergebnisse und Politikimplikationen können wie folgt zusammengefasst werden: Erstens konnte Ghana bisher im produzierenden Sektor keine nennenswerten Mengen an ADI anziehen. Da die positiven technologischen Spillover-Effekte vor allem in diesem Bereich auftreten, wird das Potenzial von ADI noch nicht voll ausgeschöpft. Einer der Hauptgründe für den niedrigen Zufluss an Kapital liegt im schwierigen Zugang zu Land, verbunden mit Hindernissen bei der Registrierung von Eigentum.
Um die positiven Auswirkungen von ADI zu verstärken, sollten sich zweitens investitionsfördernde Maßnahmen darauf konzentrieren, Unternehmen anzuziehen, die vor Ort produzieren, fortgeschrittene Technologien einsetzen, eine starke Exportorientierung aufweisen und stark in die globalen Wertschöpfungsketten integriert sind. Weniger optimal sind Investitionen von Unternehmen, die veraltete Technologien einsetzen und lediglich den lokalen oder regionalen Markt beliefern.
Drittens sollten im produzierenden Sektor spezielle Cluster gefördert werden, die positive externe Effekte aufweisen und innerhalb derer die Unternehmen gegenseitig voneinander profitieren. Da diese Kernsektoren die komparativen Vorteile Ghanas ausnutzen sollten, wären interessante Investitionsgebiete zum Beispiel die Produktion und Weiterverarbeitung von Lebensmitteln oder die Leichtindustrie (zum Beispiel Holzverarbeitung).
Viertens müssen die Verbindungen zwischen den lokalen Zulieferern und ihren multinationalen Kunden gestärkt werden, um die positiven technologischen Spillover-Effekte zu steigern. Derzeit sind ghanaische Firmen oftmals nicht in der Lage, die Anforderungen von multinationalen Unternehmen sowohl im Hinblick auf Qualität als auch hinsichtlich der Zuverlässigkeit der Lieferungen zu erfüllen. Es könnte hilfreich sein, eine nationale Technologiestrategie zu entwickeln, die auf den Aufbau der benötigten Kompetenzen und Kapazitäten zielt.
Schließlich fünftens herrscht trotz der Fortschritte im Bildungswesen immer noch ein Mangel an qualifiziertem Fachpersonal. Besonders fehlen Arbeiter mit einer guten technischen Ausbildung. Diese sind notwendig, damit das Land insgesamt seine Attraktivität für ADI erhöht und zugleich die Spillover-Effekte voll ausnutzen kann. Entsprechend besteht hier großer Aus- und Weiterbildungsbedarf.
Insgesamt hat Ghana ein großes Potenzial, mehr ADI anzuziehen und gleichzeitig mit Hilfe von ADI die eigene Entwicklung voranzutreiben. Mit seinem Reichtum an natürlichen Ressourcen, seiner exzellenten geographischen Lage, die einen leichten Zugang zu den Märkten Europas und der Region ermöglicht, ist Ghana ein attraktives Land für ausländische Investoren. Dennoch sollten politische Entscheidungsträger die Reformagenda weiter ausbauen und deren Umsetzung beschleunigen.
(ATN/HWWI-Unternehmensinformationen, 19.01.2009)