Die Themen der Zukunft
Frauen als Führungskräfte nicht gefragt
Der Frauenanteil unter den Führungskräften der deutschen Privatwirtschaft stagniert. Auch als Führungskräfte verdienen Frauen weniger als ihre männlichen Kollegen. Und in den Spitzenpositionen der großen Unternehmen sind Frauen nach wie vor kaum vertreten.
Das sind die zentralen Ergebnisse des Führungskräfte-Monitor 2010 des DIW Berlin. "Die Frauen haben zwar bei der Qualifikation aufgeholt, treten aber auf der Stelle", sagte DIW-Expertin Elke Holst. "Dies ist nicht nur ungerecht, sondern auch schlecht für die Wirtschaft", sagte dazu DIW-Präsident Klaus Zimmermann. "Denn jede Frau, die beruflich nicht in die Position kommt, für die sie qualifiziert ist, kostet uns Wachstum." Vor allem die Familienbildung und die Segregation auf dem Arbeitsmarkt wirkten sich negativ auf die Karrierechancen von Frauen aus. Holst forderte verbindliche Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils im Management. Der Führungskräfte-Monitor 2010 basiert auf dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) und Sondererhebungen.
Der Anteil der Frauen an den Führungskräften in der Privatwirtschaft liegt seit 2006 bei 27 Prozent, obwohl über die Hälfte der Angestellten Frauen sind. Männer dominieren auf allen Führungsebenen - mit einem klaren Hierarchiegefälle zwischen den Geschlechtern: Auf der unteren Managementebene sind Frauen nach Angaben des SOEP mit 39 Prozent am häufigsten vertreten, in den Vorständen großer Unternehmen kommen sie so gut wir gar nicht an. Bei den Hochschulabschlüssen haben Frauen seit 2001 um sieben Prozentpunkte auf 67 Prozent 2008 zugelegt (Männer: 62 Prozent). Weibliche Führungskräfte sind im Schnitt mit 40 Jahren knapp vier Jahre jünger als ihre männlichen Kollegen, ihre Berufserfahrung ist daher etwas geringer. Sie arbeiten heute häufiger als früher in Großbetrieben und weniger in Kleinbetrieben. Beide Geschlechter sind auch immer mehr in "Mischberufen" tätig, also in Berufen, die ähnlich oft von Frauen und Männern ausgeübt werden. Derartige positive Veränderungen reichen aber nicht aus, um eine Trendwende bei der Besetzung von Führungspositionen und beim Verdienst herbeizuführen.
Karriererisiko Familienbildung
Der Frauenanteil in Führungspositionen ist mit 37 Prozent am höchsten in jüngeren Jahren, wenn noch keine Kinder vorhanden sind, und sinkt in der Kernerwerbsphase zwischen 35 bis unter 55 Jahren auf ein Viertel. Die in Führungspositionen üblichen langen Wochenarbeitszeiten lassen sich mit Hausarbeit und Kindererziehung kaum in Einklang bringen. In Führungspositionen arbeiten vollzeitbeschäftigte Männer im Durchschnitt 48, Frauen 45 Wochenstunden. Unter den vollzeitbeschäftigten Führungskräften leisten Frauen deutlich mehr Familienarbeit als Männer. Dies ist vor allem der Fall, wenn Kinder im Haushalt vorhanden sind. Diese höhere Belastung mag mit ein Grund sein, warum weibliche Führungskräfte häufiger als ihre männlichen Kollegen keine Kinder haben. Bei immerhin knapp jeder zweiten weiblichen Führungskraft ist die Arbeitsteilung im Haushalt mit dem Partner gleichberechtigt organisiert, wenn auch nicht von einem Trend zum Rollentausch gesprochen werden kann. "Im Schnitt übernehmen Männer in Führungspositionen nur 20 Prozent der Hausarbeit in der Partnerschaft, weibliche Führungskräfte hingegen 60 Prozent", sagte Anne Busch. Insgesamt sind in Führungspositionen Frauen mit 43 Prozent auch seltener verheiratet als Männer (63 Prozent) und führen häufiger Partnerschaften ohne Trauschein. Rund zehn Prozent aller Führungskräfte
haben einen Migrationshintergrund.
Frauen in Führungspositionen verdienen 28 Prozent weniger
Der durchschnittliche Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen betrug im Jahr 2008 etwa 28 Prozent und hat sich somit gegenüber 2006 nicht verändert. Zudem erhalten Frauen auch weniger monetäre und nicht-monetäre Sondervergütungen als Männer. Eine Ursache für den Verdienstunterschied ist die Trennung des Arbeitsmarktes in Männer- und Frauenberufe, wobei in typischen Frauenberufen weniger bezahlt wird. "Eine größere Transparenz, etwa durch Offenlegung der Verdienste, könnte helfen, die Debatte um die Lohnlücke zu versachlichen", sagte Elke Holst.
(TN/DIW-Unternehmensinformationen)