Die Themen der Zukunft
Bauprognose 2008: Moderates Umsatzwachstum
Die konjunkturelle Entwicklung sei allerdings durch starke regionale Unterschiede zwischen den "alten" und den "neuen", aber auch zwischen den "süddeutschen" und den "norddeutschen" Bundesländerngeprägt. Die Beschäftigung werde sich stabil entwickeln. Keitel: "Wir erwarten, dass 2008 etwa
714.000 Menschen eine Beschäftigung im deutschen Bauhauptgewerbe finden werden."
Die Stimmung in der deutschen Bauwirtschaft habe bislang unter den
zunehmenden gesamtwirtschaftlichen Risiken nur wenig gelitten,
erklärte Keitel.
Ein "goldener Oktober" habe dem deutschen
Bauhauptgewerbe zuletzt einen Auftragsschub von nominal 28,6 Prozent beschert. Für die Monate Januar bis Oktober ergebe sich damit ein
Auftragsplus von nominal 8,5 Prozent. Die lebhafte
Nachfrageentwicklung habe 2007 auch die Bauproduktion angekurbelt.
Die Unternehmen hätten in den ersten zehn Monaten 2007 immerhin 3,7
Prozent mehr Arbeitsstunden geleistet als im entsprechenden
Vorjahreszeitraum. Vor diesem Hintergrund sei es überraschend, dass
sich die positive Auftrags- und auch Produktionsentwicklung bislang
nur in einem Umsatzplus von nominal 3,1 Prozent niedergeschlagen
habe. Für das Gesamtjahr 2007 erwartet der Hauptverband allerdings
noch ein Umsatzplus von 4 Prozent.
Als "Triebfeder des Bauaufschwungs" sieht Keitel auch 2008 die
Baunachfrage der gewerblichen Wirtschaft. Steigende Eurokurse, die
Verteuerung der Rohstoffe und zunehmende Kreditrisiken hätten die
lebhafte Investitionsneigung der deutschen Wirtschaft bislang nicht
bremsen können. Die noch immer gute Grundstimmung schlage sich in
weiter steigenden Baugenehmigungen für Wirtschaftsgebäude nieder; die
veran¬schlagten Baukosten hätten in den ersten zehn Monaten des
Jahres 2007 um 11,5 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen. In den
vergangenen zwei Jahren hätte die Bauwirtschaft vor allem von einer
lebhaften Nachfrage des Verarbeitenden Gewerbes nach Fabrik- und
Werkstattgebäuden profitiert; 2008 werde darüber hinaus auch die
Nachfrage nach Bürogebäuden wieder anziehen.
Der öffentliche Bau könne sich 2008 zum "zweiten Standbein" der
Baukonjunktur entwickeln, glaubt Keitel. Die Städte und Gemeinden
hätten 2007 ihre jahrelange Investitionszurückhaltung aufgegeben. In
den ersten drei Quartalen des Jahres 2007 seien die kommunalen
Bauausgaben um nominal 8 Prozent gestiegen. Erste Ergebnisse der
traditionellen kommunalen Bauumfrage des Hauptverbandes zu
Jahresbeginn deuteten darauf hin, dass auch 2008 ein deutliches
Wachstum der kommunalen Bauausgaben zu erwarten sei. Mehr noch:
Investitionsimpulse würden in den nächsten Jahren auch von
großflächigen städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen ausgehen, die
derzeit insbesondere von westdeutschen Kommunen umgesetzt bzw.
vorbereitet würden. Als Beispiele nannte Keitel die HafenCity in
Hamburg, die Revitalisierung des Phoenix-Stahlstandortes in Dortmund
und die Erschließung des Gutes Freiham in München. Weitere
Entwicklungsmaßnahmen seien unter anderem in Essen, Duisburg,
Heidelberg und Kaiserslautern vorgesehen.
Der Wohnungsbau habe 2007 unter den Spätfolgen der
Sonderkonjunktur des Jahres 2006 gelitten, erklärte Keitel. Das
Auslaufen der Eigenheimzulage vor allem aber auch die
Mehr¬wertsteuererhöhung hätten viele private Bauherren dazu
veranlasst, ihre Projekte vorzuziehen. Die Projektlücke für das Jahr
2007 sei damit vorprogrammiert gewesen. Inzwischen zeichne sich aber
auch im Wohnungsbau eine "Bodenbildung" ab. Der Verfall der
Genehmigungszahlen für Wohnbauten habe im Februar 2007 seinen
Tiefpunkt erreicht. Für die deutsche Bauwirtschaft bedeute dies, dass
sich der Wohnungsbau im Verlauf des Jahres 2008 auf einem niedrigen
Niveau stabilisieren werde.
Sorgen bereitet dem Hauptverband allerdings die mittelfristige
Entwicklung über das Jahr 2008 hinaus.
Einiges spreche dafür, dass
die gute Investitionsgüterkonjunktur 2008 ihren Zenit überschreiten
werde, erklärte Keitel, es sei deshalb zu erwarten, dass der
bisherige Motor "Wirtschaftsbau" ab 2009 langsamer laufen werde. Die
Bauwirtschaft werde damit zwar nicht - nach gerade einmal drei Jahren
Aufschwung - in eine neue Baukrise schlittern; Politik und Wirtschaft
seien aber gut beraten, bereits heute darüber nachzudenken, wie sie
sich auf eine "gesamtwirtschaftliche Wachstumspause" im Jahr 2009
vorbereiten können.
(ATN/ots-Unternehmensinformationen, 10.01.2008)