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Die Themen der Zukunft

Kein rascher Wirtschaftsaufschwung in Deutschland

Die Wirtschaftsschwäche betrifft nahezu alle Bereiche, besonders aber den Export. Nachdem dieser schon durch die Euro-Aufwertung bis zum Sommer letzten Jahres gedrückt worden war, schlägt nun mehr und mehr die Weltwirtschaftskrise durch. In deren Folge sind die Auslandsaufträge binnen eines Jahres um mehr als ein Drittel gesunken. Zwar sind mit nachlassender Gesamtnachfrage auch die Importe gesunken, aber weit weniger stark; der Außenbeitrag hat sich somit kräftig verringert. Bei der Binnennachfrage hat vor allem die der Unternehmen nach Investitionsgütern deutlich nachgegeben. Die Ausrüstungsinvestitionen sind im Winterhalbjahr kräftig gesunken; im Maschinenbau lag der Auftragsrückgang zuletzt 40 Prozent unter Vorjahrsniveau. Die Bauinvestitionen gingen insgesamt nur geringfügig zurück, wobei allerdings der öffentliche Bau Rückgänge im Wohnungsbau und im gewerblichen Bau kompensierte. Der private Konsum blieb bislang insgesamt relativ robust und ging nur wenig zurück, wobei zuletzt aber auch die Autokäufe durch die Abwrackprämie gestützt wurden.

Da die Entwicklung dieser Krise nicht mit früheren vergleichbar ist, besteht große Unsicherheit über ihren Fortgang. Inzwischen haben die meisten Länder geld- und fiskalpolitische Maßnahmen ergriffen, um der Krise entgegen zu steuern. In Deutschland hat die Regierung ein zweites Konjunkturpaket aufgelegt, das sich für dieses und nächstes Jahr auf 50 Milliarden Euro beläuft. Zusammen mit dem im November aufgelegten Konjunkturprogramm sowie den zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Entlastungen wird die deutsche Wirtschaft 2009/2010 von dieser Seite mit rund 80 Milliarden Euro gestützt. Überdies wird sie durch den Preiseinbruch bei Öl und anderen Rohstoffen in diesem Jahr um rund 30 Milliarden Euro entlastet. Die Konjunktur erhält damit erhebliche Impulse, die dem Abwärtstrend entgegen wirken und die Wirtschaft allmählich stabilisieren sollten.

Für die Entwicklung in nächster Zeit wird von Bedeutung sein, inwieweit die Unternehmen die Unterauslastung statt durch Entlassungen durch Kurzarbeit zu überbrücken versuchen. Letzteres würde die Einkommen und damit den Konsum einigermaßen stabil halten. Das setzt aber voraus, dass die Stützungsmaßnahmen zur Konjunktur sowohl in Deutschland als auch in den anderen wichtigen Ländern zu greifen beginnen. Sollte die Talfahrt jedoch noch drastischer als erwartet auf den Arbeitsmarkt durchschlagen, bestünde die Gefahr einer Abwärtsspirale von Beschäftigung, Einkommen und Konsumnachfrage.

Aber auch im ersten Fall werden in den kommenden Monaten die rezessiven Einflüsse überwiegen. Der Einbruch der Auslandsnachfrage wird die Exporte weiter spürbar dämpfen. Die Unternehmen werden angesichts der verschlechterten Absatz- und Ertragslage sowie der gedrückten Auslastung, aber auch wegen schwierigerer Finanzierungsbedingungen, ihre Investitionen reduzieren. Der private Konsum wird aufgrund vorsichtigeren Ausgabeverhaltens schwach bleiben. Lediglich der Staat wird Konsum und Investitionen ausweiten, wozu die Konjunkturmaßnahmen beitragen.

Im späteren Jahresverlauf sollten dann die Konjunkturprogramme und die Entlastung durch die nachlassende Teuerung mehr und mehr Wirkung entfalten. Davon wird die Binnennachfrage und hier besonders die Bauwirtschaft profitieren. Auch sollten dann die Abwertung des Euro sowie die erhoffte Stabilisierung der Weltwirtschaft den Rückgang der Exporte stoppen. Steigende Reallöhne und Transferleistungen sowie ab der Jahresmitte stärker zunehmenden Renten sollten trotz rückläufiger Beschäftigung die Kaufkraft und den privaten Verbrauch stützen.

Bei der beschriebenen weiteren Talfahrt der Wirtschaft bis etwa zur Jahresmitte und einer Stabilisierung im späteren Verlauf wird das reale Bruttoinlandsprodukt 2009 um knapp 4 Prozent niedriger als 2008 sein. Die Beschäftigung wird merklich sinken; die Zahl der Arbeitslosen wird im Jahresverlauf um etwa eine Dreiviertelmillion zunehmen. Der Preisauftrieb wird angesichts schwacher Nachfrage trotz deutlich steigender Lohnstückkosten gering bleiben; um die Jahresmitte herum wird die Inflationsrate wegen des "Basiseffekts" aufgrund der zur gleichen Vorjahreszeit extrem gestiegenen Energiepreise im Minus-Bereich liegen.

Die konjunkturellen Unwägbarkeiten bleiben immens, es überwiegen weiterhin die Abwärtsrisiken. Der bisherige Verlauf der Krise hat gezeigt, dass immer wieder neue Schocks nicht auszuschließen sind. Weitere "Nachbeben" im Finanzsektor würden auch die Realwirtschaft weiter nach unten ziehen. Auch ist eine Lösung der Probleme in anderen Bereichen wie in der Automobilindustrie bislang nicht absehbar. Würde sie nicht durch konjunkturelle Maßnahmen gestützt, würde eine weitere Ausweitung der Krise und möglicherweise ein Abrutschen in die Depression drohen. Die Stabilisierung der Wirtschaft würde sich dann nach 2010 hinauszögern.

Aber auch bei einer Stabilisierung noch in diesem Jahr ist im Anschluss ein rascher Aufschwung der Konjunktur nicht zu erwarten. Ein Teil der Konjunkturstützungsmaßnahmen tritt zwar noch im kommenden Jahr in Kraft und gibt dann weitere Impulse. Die Unternehmen hierzulande werden aber die Beschäftigung weiter an das gesunkene Produktionsniveau anpassen, was die Erholung von Einkommen und privatem Verbrauch dämpft.
(ATN/HWWI-Jörg Hinze, 19.04.2009)

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