Anzeige

Die Themen der Zukunft

Finanzinvestor: Banken haben gestörtes Verhältnis zum Geld

Es wäre besser gewesen, wenn Aktionäre und Investoren höhere Verluste erlitten hätten. "Ich halte es für einen schweren Fehler, dass wir uns aus der Krise einfach herausgekauft haben." Die Diskussion über überhöhte Boni nannte Fischer "legitim", er fügte aber hinzu: "Investmentbanking ohne Boni gibt es nicht. Das ist the nature of the beast. Man muss aber auch sehen, dass paradoxerweise gerade die Politik immer wieder dafür sorgt, dass der Bonustopf voll wird, weil die Kurse und Preise von Vermögensgütern ständig politisch manipuliert werden und das auf vielfältige Weise."

Zu den Plänen des amerikanischen Präsidenten, der die Banken in ihre Schranken weisen will, sagte Fischer: "Die Vorschläge von Obama sind logisch und konsequent." Auf europäische Verhältnis seien sie aber nicht unmittelbar zu übertragen. Fischer, der auch im Vorstand der Schweizer Großbank Credit Suisse saß, ist heute Chef des Finanzinvestors RHJ International mit Sitz in Brüssel. Das Unternehmen, das jüngst die britische Bank Kleinwort Benson erworben hat, hat vergangenes Jahr auch für Opel geboten, kam aber nicht zum Zuge.

RHJI ist an etlichen Autozulieferern in Japan und Deutschland beteiligt und hat bei Honsel hohe Verluste erlitten. Über seine Erfahrungen als Finanzinvestor in der Industrie sagte Fischer: "Für mich waren die vergangenen Jahre unheimlich lehrreich. Vielleicht sollten wir Banker öfter erleben, wie das ist, wenn man ein Unternehmen besitzt und der Umsatz bricht um 40 Prozent ein. Und man kann nicht einfach die Zentralbank anrufen. Wir Banker haben doch bisweilen ein gestörtes Verhältnis zum Geld."
(ATN)

Nächster Artikel aus Aktuell Daimler zieht Klage gegen Aktionärsschützer zurück

Vorheriger Artikel aus Sportbiz Deutscher Profi-Fussball spielt zwei Milliarden Euro ein