Die Themen der Zukunft
Bankenpräsident: Lehman-Pleite politische Fehlentscheidung
In der Zeit wehrt sich Müller gegen eine staatliche Begrenzung von
Managergehältern. "Es wird immer so getan, als gäbe es einen riesigen Kreis von Leuten, die Unsummen verdienen ... Aber bei den großen börsennotierten
Firmen verdienen vielleicht zehn bis fünfzehn Frauen und Männern in den
Vorständen mehr als fünf Millionen Euro. Es wäre doch grotesk, für diese
kleine Gruppe ein Gesetz zu machen. Das ist eine reine Neiddebatte", sagt
Müller.
Müller, der auch Vorsitzender der Corporate-Governance-Kommission der
Bundesregierung ist, gibt der US-Regierung schuld an der Krise. "Die Ursache
für die
Verschärfung der Krise liegt in Entscheidungen der amerikanischen Politik. Es war eine politische Fehlentscheidung in Washington, die Investmentbank Lehman Brothers pleitegehen zu lassen. Erst diese Entscheidung hat die Märkte einbrechen lassen."
Es sei deshalb falsch, mit den Fingern auf die deutschen Banken zu zeigen: "Sie haben
Hervorragendes geleistet, sie haben wesentlich zum wirtschaftlichen Erfolg des Landes beigetragen."
Müller warnt wenige Tage vor dem
Weltfinanzgipfel vor zu viel Regulierung.
Problematisch seien "Maßnahmen, die vielleicht gut gemeint sind, aber am Ende definitiv zu weit gehen." Er warnt auch vor konjunktureller Schwarzmalerei. Er
sehe "noch keine Rezession", sagt er. "Die deutsche Wirtschaft ist
erstaunlich robust; dass es einzelne Branchen gibt, die Probleme haben, wissen wir."
(ATN/ZEIT-Unternehmensinformationen, 12.11.2008)