Die Themen der Zukunft
Michael Groß: IOC verrät olympischen Ideale
Groß weiter: "Politische Meinungsäußerung an den olympischen Stätten ist
verboten, und das finde ich richtig. Es gibt so
viele Missstände, gegen die
man protestierten könnte, die Todesstrafe, Guantanamo, das würde Olympia
überfordern."
Außerhalb des Olympischen Dorfs und der Stadien, fährt Groß
fort, "muss es aber möglich sein, seine Meinung kundzutun. Das hat Jacques
Rogge, der Präsident des Internationalen Olympische Komittees, vor kurzem
erst zugesichert. Er sollte schon mal überlegen, was er sagt, wenn die
Chinesen das nicht tolerieren. Die
Zensur der Olympia-Journalisten, die
nicht frei im Internet recherchieren können, ist der erste Sündenfall ?
erbärmlich! Das IOC verrät die olympischen Ideale."
Auf Doping angesprochen sagt Groß: "Es gibt immer noch
Weltklasse-Leistungen ohne Doping, der Überzeugung bin ich. In manchen
Sportarten hat sich in den letzten Jahren jedoch viel in die falsche
Richtung entwickelt.
Heute ist es im Radsport normal, in jungen Jahren
gleich Cortison zu nehmen, wenn das Knie zwickt. Und zum Doping ist es vom legalisierten Medikamentenmissbrauch nur ein kleiner Schritt. Ich begreife
nicht, dass Menschen es sich antun, Mittel mit unbekannten Nebenwirkungen
zu nehmen. Ich war mal Mitglied der Anti-Doping-Kommission im Radsport. Wir
gaben die Arbeit nach kurzer Zeit auf, denn wir hatten nicht die
ausreichende Unterstützung des Verbands. Es war ein Morast. Man trat rein
und ging unter."
(ATN/ZEIT-Unternehmensinformationen, 06.08.2008)