Die Themen der Zukunft
Druck auf Yahoo! durch Großaktionäre steigt
Icahns Vorwürfe spiegelten ein
grundlegend falsches Verständnis
der Fakten wider, schrieb Yahoo!-Verwaltungsratschef Roy Bostock am
Donnerstagabend an den streitbaren US-Milliardär. Sein Plan zur
Neubesetzung des ganzen Verwaltungsrates mit eigenen
"handverlesenen
Kandidaten" sei nicht im besten Interesse der Aktionäre. Yahoo! sei
nach wie vor zur Prüfung eines höheren Angebots auch von Microsoft
bereit, betonte Bostock ausdrücklich. "Aber derzeit liegt keine
Kaufofferte auf dem Tisch."
Tatsächlich ist weiterhin nicht bekannt, ob
Microsoft sein Angebot
wieder aufleben lassen würde. Der weltgrößte Softwareanbieter betonte
zuletzt mehrfach, er verfolge nun ohne Yahoo! seinen eigenen Weg.
Experten nehmen an, dass Microsoft selbst bei erneutem Interesse
zunächst die Entwicklung zwischen Icahn und Yahoo! abwartet. Mit dem
Kauf wollte Microsoft die Vormacht des Suchmaschinenriesen Google bei
Internet-Werbung und Web-Suche brechen.
Der New Yorker
Hedge-Fonds Paulson & Co besitzt nach jüngsten
Angaben 50 Millionen Yahoo!-Aktien und damit einen Anteil von etwa
3,6 Prozent. Paulson kündigte Rückendeckung für Icahn bei der am 3.
Juli anstehenden Wahl des Verwaltungsrates an. Icahn selbst hält 4,2
Prozent an Yahoo! und will auf knapp 7 Prozent aufstocken. Beide
Großaktionäre investierten damit bereits Milliardensummen.
Über den Verwaltungsrat könnten die Investoren Yahoo!-Chef Jerry
Yang zur
Annahme des Angebots drängen oder seine Ablösung betreiben.
Yahoo! wiederum könnte den Kritikern als Kompromiss einige Sitze in
dem Gremium anbieten. Zu der Runde gehören derzeit neun unabhängige
Mitglieder sowie auch Yahoo!-Chef Yang selbst.
Icahn setzte mit seinen harten Methoden bereits bei einer Reihe
von Unternehmen Fusionen und Verkäufe durch. Der 72-Jährige machte
auf diese Weise einen Gutteil seines Vermögens. Auf der Superreichen-
Liste des US-Magazins "Forbes" rangiert er aktuell auf Platz 46 mit
einem geschätzten Vermögen von 14 Milliarden Dollar.
Yahoo! schloss unterdessen mit dem britischen Marketing-Konzern WPP eine umfassende
Partnerschaft für Online- Werbung. Die Werbeagenturen des WPP-Konzerns sollen künftig Anzeigen einfacher als bisher direkt über eine Web-Plattform von Yahoo! schalten können. Der lukrative Werbemarkt im Internet ist heftig umkämpft.
(ATN/dpa, 18.05.2008)