Die Themen der Zukunft
Quotenmessung stößt an ihre Grenzen
Fast
zwei Millionen Türken wohnen hier. Ihre TV-Gewohnheiten
werden nicht regelmäßig erforscht, weil die GfK keinen TV-Haushalt
mit türkischem Hauptverdiener in ihrem «Panel» hat. Von den 5640
Haushalten, in der die GfK regelmäßig misst, sind 340 mit EU-
Ausländern vertreten, aber eben nicht mit Türken. "Das liegt daran,
dass die EU-Ausländer überall gemeldet sind und kommunales Wahlrecht
haben", sagt Karin Hollerbach-Zenz, Sprecherin der Technischen
Kommission der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), die für
die Fernsehsender den Mess-Auftrag an die GfK vergibt.
Weil somit über die
EU-Ausländer alle wichtigen Informationen
bekannt seien, können sie laut AGF auch in eine Datenermittlung
eingebunden werden. Das gelte aber nicht für andere Ausländer. Dass
möglicherweise die türkischen Mitbürger aus wirtschaftlichen Gründen
nicht interessant genug seien, um von der GfK erfasst zu werden, wird
von der AGF zurückgewiesen. "Wir fordern nachdrücklich, ins GfK-Panel
zu kommen", sagt Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in
Deutschland. "Denn die Türken werden zunehmend von deutschen Firmen
als Zielgruppe entdeckt."
Wenig bekannt ist unter Türken auch, welche Sender genutzt werden.
Der
türkische Kanal ATV strahlt zwar die Europameisterschaftsspiele
aus, "aber wir denken, dass 80 bis 90 Prozent der Türken die
deutschen Sender nutzen, auf jeden Fall die jüngeren und die
Mittelschichten", sagt Kolat. Denkbar ist auch, dass einige deutsche
Fußball-Fans bei türkischen Gastgebern das Spiel verfolgen werden und
somit auch gar nicht gemessen werden können. Wenn umgekehrt Türken
bei Deutschen zu Gast sind, geht dies auch noch nicht - erst ab 2009
können sie sich als zusätzliche Zuschauer anmelden und damit erfasst
werden.
Das
Public Viewing ist die andere unbekannte Größe bei den
sportlichen Großereignissen. Hollerbach-Zenz sagt, es sei von der
Methodik her nahezu unmöglich, geregelte Messungen durchzuführen, da
nie bekannt sei, "welche Personenanteile auf welche Anzahl insgesamt
hochgerechnet" werden könnten. Das ZDF hat für sich und die ARD für
die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft Umfragen
anfertigen lassen und herausbekommen, dass über die TV-Quoten hinaus
(sie lagen zwischen 22,77 Millionen Zuschauer beim Spiel gegen
Kroatien und 27,96 Millionen gegen Österreich) bis zu 9,39 Millionen
Menschen zusätzlich auf Leinwänden, in Kneipen oder im Schrebergarten
geguckt haben.
Wer also von rund
28 bis 30 Millionen Fernsehzuschauern am
Mittwoch ausgeht, rund neun Millionen "Public Viewer" dazu zählt und
dann noch rund zwei Millionen Türken, kann von etwa 40 Millionen
Zuschauern beim Halbfinale ausgehen.
(ATN/dpa, 24.06.2008)