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Die Themen der Zukunft

Vielen ist EM im eigenen Land wurscht

"Die Stimmung könnte besser sein, war aber auch schon mal deutlich
schlechter", formuliert es die Meinungsforscherin Karin Cvrtila von
der Österreichischen Gesellschaft für Marketing diplomatisch. Nach
ihren Umfragen interessiert sich knapp die Hälfte der Österreicher
überhaupt nicht für das Turnier im eigenen Land, weitere 20 Prozent
sind sogar davon genervt, knapp 30 Prozent freuen sich darauf. "Man
kann das auf keinen Fall mit der WM damals in Deutschland
vergleichen", sagt sie.

Ihr Kollege Christian Dominik von Makam Market Research ist etwas
zuversichtlicher. "Die positive Grundstimmung ist da", sagt er. Sein
Institut macht seit einem Jahr eine wöchentliche repräsentative
Umfrage zur Haltung der Österreicher zur EM und hat Verbesserungen
festgestellt. Noch vor mehreren Monaten hielt die Mehrheit der
Menschen den deutschen WM-Slogan "Zu Gast bei Freunden" für das
aktuelle EM-Motto, gerade mal drei Prozent der Befragten kannten die
Maskottchen Trix und Flix. Kurz vor Turnierbeginn hat sich das nach
Angaben von Dominik gebessert, etwas mehr als die Hälfte der Menschen
haben eine "grundsätzlich positive" Haltung zum Fußball-Event. Doch
sagt auch er: "An einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung geht
die EM vorbei."

Auch die Schweizer lassen es mit ihrer EM-Begeisterung lieber
langsam angehen. "Noch hat die Schweiz erst leicht Temperatur. Doch
mit jedem Tag steigt die Fieberkurve mehr in den roten Bereich",
diagnostiziert die Tageszeitung "Blick". Das merken auch die
Verkäufer von Fan-Artikeln: Zwar sind die Geschäfte bereits randvoll
- etwa mit Fußball-Pasta, Stollen-Pantoffeln oder Zahnbürsten in den
Schweizer Nationalfarben - aber der Ausbruch der Fußballeuphorie
lasse noch etwas auf sich warten, hieß es. Es wird aber erwartet,
dass sich die Fans kurz vor Anpfiff der EM sehr wohl noch mit den
passenden Artikeln eindecken werden.

Für die großflächige Fußball-Unlust in Österreich findet
Meinungsforscherin Cvrtila eine einfache Begründung. "Die
österreichische Mannschaft ist einfach zu schlecht", sagt sie. Bei
der WM in Deutschland hätten die Fans einen berechtigten Glauben
gehabt, dass ihr Team gewinnen könne. "Traurig aber wahr - das ist in
Österreich rational ausgeschlossen." Zu deutlich mehr
Begeisterungsstürmen lassen sich die Österreicher ihrer Meinung nach
auf der Skipiste hinreisen. "Da sind die Erfolge da." Doch mit Beginn
des Turniers könne sich die Begeisterung noch steigern, vor allem
Kinder ließen sich leicht anstecken.

"Die ungeheuren Dimensionen einer EM sind für die Menschen noch
nicht greifbar", heißt es von Seiten der EM-Initiative "Österreich am
Ball" vom österreichischen Fußball-Bund und der Bundesregierung.
Schließlich sei das Land mit seinem Partner Schweiz zum ersten Mal
Ausrichter eines derart großen Events. "Wie damals in Deutschland
wird die Euphorie erst mit Turnierbeginn kommen", sagt der Sprecher
Lorenz Kirchschlager. Außerdem wolle man sich sowieso nicht an dem
großen Nachbarn messen. "Es wird ein österreichisches und schweizer
Turnier mit unseren Eigenheiten", sagt er. Ob dann so ein "Hype" wie
in Deutschland entstehe, hänge sicher auch davon ab, ob die
österreichische Mannschaft überraschen kann. "Wir werden auf jeden
Fall gute Gastgeber sein."
(ATN/ Miriam Bandar und Heinz-Peter Dietrich-dpa, 31.05.2008)

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