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Die Themen der Zukunft

Hersteller suchen in Detroit den Mittelweg

"Wir haben erkannt, dass Größe längst nicht mehr alles ist", sagt
Chrysler-Vorstand Tom La Sorda. Rick Wagoner von General Motors
kündigt eine Flut von Hybrid- und Ethanol-Fahrzeugen an, und
Ford-Vorstand Allan Mulally enthüllt eine neue Generation sparsamer
Benzinern mit Turbolader und Direkteinspritzung. Die meisten dieser
Neuheiten werden allerdings vorerst nicht nach Europa kommen.

Besonders die europäischen Hersteller haben neben den USA jedoch
auch den Rest der Welt im Blick
- und zeigen fast ein Dutzend
Premieren. So stellt Mercedes den "modellgepflegten" SLK und den fast
serienreifen Geländewagen GLK auf der technischen Basis der C-Klasse
vor. Ab Herbst soll das Modell die Offroad-Palette nach unten
ergänzen.

VW wiederum enthüllte den Passat CC - verkauft wird der Viertürer
mit Coupé-Silhouette schon ab dem Frühjahr.
Der Wagen ist vor allem
auf den US-Markt zugeschnitten, der für VW-Vorstand Martin Winterkorn
"zentrale Bedeutung hat" und künftig mehr spezifische Modelle
bekommen soll. Trotzdem setzt man auch in Europa große Hoffnungen auf
den ersten Passat der gehobenen Mittelklasse.

Ebenfalls den Spagat zwischen US-Geschmack und kontinentalen
Vorstellungen versucht BMW mit dem X6.
Der ist in Detroit nun als
Serienversion zu sehen und geht im Sommer an den Start. Ähnlich wie
der Passat CC soll der technische Bruder des X5 ein Coupé mit vier
Türen sein - bei dem aber die SUV-Verwandtschaft zu erkennen ist.
Daneben erlaubt BMW einen ersten Blick auf das Cabrio der 1er-Reihe
und feiert die US-Premiere des Mini Clubman.

Besonders sportlich stellt sich Audi vor. Hier wird zum
zehnjährigen Geburtstag des TT eine leistungsgesteigerte Version als TTS mit 200 kW/272 PS gezeigt.
Als Studie mit "guten Chancen auf eine
Serienfertigung" steht daneben der erste Supersportwagen mit
Diesel-Motor: Die Techniker haben den R8 mit einem 368 kW/500 PS
starken V12-TDI bestückt. Damit soll eine Höchstgeschwindigkeit von
über 300 Stundenkilometern möglich sein, während der Verbrauch von
weniger als zehn Litern «auf dem Niveau einer Mittelklasse-Limousine»
liegt.

Eine Absage an alte amerikanische Ideale kommt aus England und
Schweden:
Mit den Studien LRX und dem 9-4X zeigen Land Rover und
Saab, dass "Big is beautiful" nicht die einzige Schönheitsformel ist.

Beide Geländewagen sind für amerikanische Verhältnisse ungewöhnlich
kompakt - und gehen selbst in Europa noch als Einstiegs-Offroader
durch. Es soll konkrete Produktionsabsichten geben.

Die wichtigsten Neuheiten der US-Hersteller zeigen sich dagegen
noch in bekanntem Großformat.
Bei Ford steht im Mittelpunkt die neue
Generation des Pick-up F-150, der seit drei Jahrzehnten die
Zulassungsstatistik anführt und laut Marktforscher Ferdinand
Dudenhöffer als "Golf der Amerikaner" gilt. Zum Start gibt es
ausschließlich V8-Motoren mit 4,6 bis 5,4 Litern Hubraum. Das gilt
auch für den Konkurrenten Dodge RAM, der nach dem Chevrolet Silverado
auf dem dritten Platz der Pick-up-Zulassungen steht und in Detroit
ebenfalls in die nächste Generation geht. Auch diesen Pritschenwagen
gibt es zunächst nur mit V6- und V8-Motoren, von denen der größte 5,7
Liter Hubraum hat und 283 kW/385 PS erreicht.

Trotzdem hat bei allen drei Konzernen das Umdenken eingesetzt:
Chevrolet zeigt den Silverado auf der Messe mit Hybrid-Antrieb.

Chrysler-Entwicklungschef Frank Klegon kündigt für den Dodge RAM im
Gespräch mit dem dpa-Themendienst eine Hybrid-Version und einen
Bluetec-Diesel an. Und auch Ford stellt sparsamere Motoren in
Aussicht. Der Konzern baut vor allem auf neuen "EcoBoost"-Aggregate:
Sie kombinieren Turboaufladung mit Benzindirekteinspritzung und
sollen Verbrauchsvorteile von bis zu 20 Prozent ermöglichen.

Bei den Studien gehen die Amerikaner noch deutlich weiter. So
zeigt Chrysler drei Konzeptfahrzeuge mit einem unterschiedlich
konfigurierten Elektroantrieb,
der mal ausschließlich aus einer
Batterie gespeist wird und mal als «zusätzliches Kraftwerk» eine
Brennstoffzelle oder einen Bluetec-Diesel zur Steigerung der
Reichweite einsetzt.

General Motors konzentriert sich auf den Einsatz von Ethanol, weil
das laut Rick Wagoner die umweltfreundliche Technik ist, mit der man am schnellsten die größte Wirkung erzielen könne.
Schon heute biete
das Unternehmen 25 Modelle für den sogenannten E85-Kraftstoff an.
Allein sechs Millionen Autos in den USA könnten E85 tanken. Diese
Flotte soll bis 2012 deutlich größer werden, so Wagoner. Bis dahin
könnte es auch die Studie Hummer HX in die Serie schaffen und so als
Geländewagen mit geschrumpftem Format und gezügeltem Durst einen
Hauch von Umweltfreundlichkeit zeigen.

Zwar wird es auch dann mit Autos wie einer 456 kW/620 PS starken
Corvette ZR1 oder der ähnlich hoch motorisierten Dodge Viper
noch
immer genügend Kandidaten für den "Schwarzen Peter" unter den wenig
umweltschonenden Modellen geben. Doch selbst auf Supersportwagen wie
einem Ferrari prangt in Detroit heute schon der Schriftzug "Bio-
Fuel".
(ATN/Thomas Geiger-dpa, 14.01.2008)

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