Die Themen der Zukunft
Alternative Antriebe haben Konjunktur
Als langfristiges Ziel gilt das Elektroauto: «"In der Zukunft fährt
man elektrisch", sind sich die Entwickler einig. Nur wie der Strom an
Bord kommen und gespeichert werden soll, wird noch heftig diskutiert.
"Natürlich wäre eine leistungsstarke Batterie die beste Lösung", sagt
Frank Klegon, Entwicklungschef bei Chrysler. "Jedoch sind solche
Akkus mit Lithium-Ionen-Technik und entsprechender Kapazität noch
lange nicht serienreif und erst recht nicht zu bezahlen."
F
ür Kurzstreckenfahrten würden die Batterien vielleicht schon in
den kommenden fünf bis zehn Jahren genügen, schätzt Klegon. Aber füreine größere Reichweite müssen die Ingenieure den Strom an Bord
erzeugen. Dabei kristallisieren sich zwei unterschiedliche Prinzipien
heraus: Auf der einen Seite ist das die
Brennstoffzelle, die Strom
aus Wasserstoff produziert und als einziges Abgas Wasserdampf
ausstößt. "Diese Technik funktioniert, der nächste Schritt ist die
Kommerzialisierung", sagt Larry Burns, Leiter Forschung und
Entwicklung bei General Motors. Auch Honda hat mit dem FX Clarity ein
Brennstoffzellen-Fahrzeug, das ausgewählte Kunden kaufen können.
Die Alternative zur Brennstoffzelle sei ein Elektroauto mit
sogenanntem Range-Extender, erläutert Chrysler-Entwickler Klegon mitBlick auf die drei aktuellen Designstudien seines Unternehmens. Nur eine davon, der Dodge Zeo, "tankt" ausschließlich an der Steckdose.
Der EcoVoyager und der Jeep Renegade haben dagegen noch einen zweiten
Antrieb, der allerdings nur einen Generator bewegt, um unterwegs
Strom zu erzeugen und damit die Reichweite des Autos zu vergrößern.
Zwar glaubt Klegon, dass Elektroautos mit Verbrennungsmotor als
"Range-Extender" bereits in fünf Jahren produktionsreif sein können.
Die Zwischenzeit gilt es jedoch zu überbrücken.
Deshalb wurden auf
der Messe in Detroit auch zahlreiche Serienmodelle mit reduziertem
Verbrauch vorgestellt - darunter viele Hybride. So hatte Mercedes
noch einmal die S-Klasse und den GL als "Bluetec"-Hybrid in die USA
gebracht und BMW den neuen X6 mit zusätzlichem Elektromotor enthüllt.
General Motors kündigte allein für die kommenden vier Jahre 16
neue Hybrid-Fahrzeuge an, zu denen erstmals auch die bei den
Amerikanern so beliebten Full-Size-Trucks und die großen Pick-ups
zählen sollen. "Damit drücken wir den Verbrauch von Autos wie dem
Chevrolet Tahoe um 30 Prozent auf das Niveau einer
Mittelklasse-Limousine mit vier Zylindern", rechnet Produktmanager
Bob Walzyk vor.
Eine zunehmend wichtige Rolle dürfte künftig auch außerhalb
Europas der Dieselmotor spielen. Natürlich waren es in Detroit vor
allem die Europäer, die den Selbstzünder ins Blickfeld rückten. Nicht
umsonst startet nun auch BMW mit "Blue-Performance"-Dieseln in den
USA, stellt Audi den R8 V12 TDI als ersten Supersportwagen mit
Selbstzünder ins Rampenlicht und montiert Mercedes im seriennahen GLK
den ersten Vierzylinder-Diesel mit "Bluetec"-System. Aber die anderen
Hersteller ziehen nach:
So hat Honda in Detroit für 2009 den ersten
US-Diesel angekündigt, Subaru will den neuen Forester angeblich
ebenfalls mit Diesel in die USA bringen. "Und wir beobachten die
Entwicklung sehr genau, damit wir rechtzeitig ebenfalls mit Dieseln
für die US-Modelle starten könnten", fasst Chrysler-Manager Klegon
die Stimmungslage zusammen.
Zunächst konzentrieren sich die US-Marken jedoch auf den
Benzinmotor. Das gilt insbesondere für Ford: Der zweitgrößte
US-Konzern hat eine "EcoBoost" genannte Motorengeneration
vorgestellt, die Direkteinspritzung und Turboaufladung kombiniert und
Verbrauchsvorteile von 20 bis 30 Prozent ermöglichen soll. Im
Vergleich zu Hybrid oder Diesel hat sie nach Angaben von
Entwicklungschef Derrik Kuzak vor allem einen Vorteil: Sie bleibt
bezahlbar.
Eine weitere Möglichkeit, schnell und preiswert etwas für
Verbrauch und Umwelt zu tun, ist für GM-Chef Richard Wagoner der
verstärkte Einsatz von Bio-Ethanol. Schon heute biete der Konzern 25
Modelle an, die mit E85 betankt werden können. "Und bis 2012 werden
85 Prozent unserer Jahresproduktion damit fahren können", sagt
Wagoner. Natürlich weiß auch der GM-Boss, dass E85 auf Dauer nicht
die Lösung aller Probleme ist. Doch kurzfristig scheint es ihm die
beste Alternative. Denn angesichts des riesigen Fahrzeugbestandes und
der langen Lebensdauer aktueller Pkw, "brauchen wir mindestens zwölf
Jahre, bis eine neue Antriebstechnik den Weltmarkt durchsetzt hat."
So lange zu warten, will sich angesichts schwindender
Rohstoffreserven und wachsender Klimasorgen kein Hersteller erlauben.
(ATN/Thomas Geiger-dpa, 29.01.2008)