Anzeige

Die Themen der Zukunft

G20: Billionenhilfen und Regulierung gegen Krise

Die Rolle des Internationalen Währungsfonds soll gestärkt werden. Dazu beschloss der Gipfel, die Mittel des Fonds auf 750 Milliarden Dollar zu verdreifachen, vor allem um den besonders gebeutelten Ländern zu helfen. Außerdem kündigten die Staats- und Regierungschefs das Trockenlegen von Steueroasen an. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte, das Bankgeheimnis in seiner bisherigen Form werde nicht mehr bestehen. Hedgefonds und Ratingagenturen sollen zudem an die Leine genommen werden. Der Welthandel, der dieses Jahr wohl deutlich einbrechen wird, wird mit zusätzlichen 250 Milliarden Dollar angekurbelt. Vor allem Deutschland als weltweit größter Exporteur von Gütern dürfte davon profitieren.

"Dies ist der Tag, an dem die Welt zusammengekommen ist, um gegen die globale Rezession zurückzuschlagen", sagte Gipfelgastgeber Brown. Zwar gebe es keine raschen Lösungen, aber dank der Entscheidungen könnten die Krise verkürzt und Arbeitsplätze gerettet werden. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sagte, die Ergebnisse des Gipfels seien jenseits dessen, was man sich habe vorstellen können. "Wir haben uns auf den Aufbau einer klaren Finanzmarktarchitektur geeinigt", betonte Merkel.

Sowohl die Verfechter einer stärkeren Regulierung - allen voran Deutschland und Frankreich - als auch die Befürworter von noch mehr Konjunkturpaketen, wie die USA, sahen in den Ergebnissen des Gipfels ihre Anliegen gewahrt. Steinbrück zeigte sich erfreut, dass bei dem Gipfel keine Verpflichtung zu neuen staatlichen Konjunkturprogrammen beschlossen worden seien.

Die Märkte reagierten mit einem Kursfeuerwerk. Der Dax in Frankfurt schloss mehr als sechs Prozent im Plus, in New York notierte der Dow Jones Index im Handelsverlauf knapp vier Prozent positiv. Gleichwohl warnten Experten vor zu viel Euphorie. Die Reformierung des Finanzsektors sei eine Herkules-Aufgabe, gab Andreas Rees von der Unicredit zu bedenken. "Der Teufel steckt bekanntlich in den Details. Die Umsetzung wird einige Zeit dauern." Gemeinsam mit den Konjunkturprogrammen in aller Welt werde die G20-Entscheidung aber dazu beitragen, die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte zu stabilisieren.

Brown sagte, insgesamt werden bis Ende kommenden Jahres alle bereits unternommenen und noch folgenden Konjunkturpakete zusammen ein Volumen von fünf Billionen Dollar erreichen. Umgerechnet sind das etwa 3,7 Billionen Euro. Auf dem Londoner Gipfel verständigten sich die G20 konkret auf eine zusätzliche Finanzspritze von insgesamt einer Billion Dollar, von der die Hälfte dem IWF direkt zufließen soll. Zudem werden die sogenannten Sonderziehungsrechte (SZR) des IWF um 250 Milliarden Dollar erhöht, um den Kapitalverkehr mit den Staaten und Zentralbanken zu stärken.

Die Aufstockung der IWF-Mittel sei ein positives Zeichen, sagte der Marktstratege Nigel Rendall von der Royal Bank of Canada. Vor allem die angeschlagenen osteuropäischen Länder würden sich aber nicht übernacht erholen. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace kritisierten zudem, dass der Kampf gegen den Klimawandel bei dem Gipfel nicht stärker im Vordergrund standen.
(ATN/Reuters, 06.04.2009)

Nächster Artikel aus Alternative Investments Sachwerte - eine krisenresistente Anlageform

Vorheriger Artikel aus Geldwertes Ackermann kritisiert hohe Bonus-Zahlungen