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Die Themen der Zukunft

Kommentar: Warten auf den Aufschwung

Calvin glaubte an die Vorherbestimmung des menschlichen Schicksals. Insofern erscheint es geradezu als eine Ironie des Schicksals, dass die Welt nunmehr - genau 500 Jahre nach seiner Geburt ? die Konsequenzen für all die Jahre des Überkonsums und eines - zumindest im finanziellen Sinne - nachgerade zügellosen Lebensstils tragen muss. Wir treten jetzt in eine Phase ein, in der Zurückhaltung wiederum eine wichtige Rolle spielen wird. Dabei könnte der Schuldenabbau bei Verbrauchern und Banken potenziell die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg einleiten. Die Finanzmärkte kommen der Entwicklung bereits zuvor: So preisen die Aktienmärkte Ertragsrückgänge von nahezu 50 Prozent ein (gerechnet vom Höhepunkt der Boomphase bis zum Tiefstpunkt derRezession). Das wäre der schärfste Einbruch seit Kriegsende.

Gleichzeitig preisen die Unternehmensanleihemärkte einen Anstieg der Ausfallraten auf das höchste Niveau seit der Großen Depression von 1929 ein.Investoren stützen ihre Anlageentscheidungen im Allgemeinen auf zwei unterschiedliche Wirtschaftsszenarien. Das gebräuchlichste Szenario prognostiziert eine zaghafte Erholung für 2010, wenn die beispiellosen Konjunkturprogramme und geldpolitischen Maßnahmen rund um den Globus Wirkung zeigen. Nach diesem Szenario würde es an den Aktienmärkten ab Ende 2009, Anfang 2010 wieder aufwärts gehen.

Das zweite Szenario malt ein sehr viel düsteres Bild und gilt als weniger wahrscheinlich. Bei diesem Szenario wird es mehrere Jahre dauern, bisder Schuldenabbauprozess abgeschlossen ist. Die positiven Impulse der Konjunkturprogramme werden von den verschärften Kreditvergabekriterien derBanken und der Zurückhaltung der Verbraucher zunichte gemacht, die in unsicheren Zeiten und bei Angst um den Arbeitsplatz lieber sparen als ausgeben.

Im ersten Szenario gilt das Deflationsrisiko lediglich als vorübergehende Erscheinung, während das zweite Szenario von einer anhaltenden deflationären Entwicklung ausgeht. Denn schließlich wirkt der Druck neuen Geldes nur dann inflationär, wenn die Verbraucher es auch wirklich ausgeben. Wie sich die Situation letztendlich entwickeln wird, lässt sich nicht vorhersagen. Wir meinen, dass eine reelle Chance besteht, dass sich binnen eines Jahres die ersten Erfolge der Konjunkturprogramme abzeichnen werden. Andererseits wäre essicherlich unklug, die Gefahren des zweiten Szenarios - sozusagen die japanische Krankheit auf globaler Ebene - zu ignorieren.

Eines ist so gut wie sicher: Bei beiden Szenarien werden wir eine Reihe so genannter Bärenmarkt-Rallys erleben, ausgelöst durch besser als erwartet ausgefallene Wirtschaftsdaten und angeführt von Zyklikern und Finanzwerten. Diese Rallys können von heftigen Fluktuationen begleitet sein und kurzzeitig einen Aufwärtstrend um 20 bis 30 Prozent bieten. Solange die Renditen von Unternehmensanleihen jedoch nicht fallen und die Nachfragesituation sich nicht bessert, werden derartige Rallys kurzlebig bleiben.Gewinne bei Bärenmarkt-Rallys sind zwar möglich, aber das Timing ist schwierig.
(ATN/ING Investment Management-Ad van Tiggelen, 05.02.2009)

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